Blog · Teamaufbau
Kosten, Risiken und der Budgetpunkt, an dem die Rechnung kippt
Die kurze Antwort hängt am Werbebudget, und zwar in dieser Staffel: Unter 3.000 Euro Mediabudget pro Monat steuerst du selbst. 3.000 bis 10.000 Euro: Freelancer. 10.000 bis 150.000 Euro: Agentur. Über 150.000 bis 240.000 Euro: eigenes Team. Zwischen 10.000 und 15.000 Euro entscheidet die Zahl der Kanäle: ein Kanal spricht für einen Freelancer, zwei oder mehr für eine Agentur. Der obere Punkt ist gerechnet, nicht beobachtet: mit 10 Prozent Honorar, drei Rollen und 5.000 bis 8.000 Euro Vollkosten pro Person. Andere Annahmen verschieben ihn deutlich.
Die zweite Antwort will meist niemand hören: Alle drei Optionen scheitern aus demselben Grund, wenn sie scheitern. Nicht an der Person oder der Agentur, sondern an unsauberer Messung, unklarer Zielgröße und daran, dass niemand im Unternehmen für den Deckungsbeitrag zuständig ist. Das musst du selbst lösen, egal wen du beauftragst.
Ich bin Nils Fehr, Gründer von AdSynergy in Berlin. Wir haben über 50 Brands betreut und mehr als 25 Millionen Euro Werbebudget verwaltet. Mein Eigeninteresse an der Antwort „nimm eine Agentur“ ist offensichtlich, deshalb steht unten auch, wann ich davon abrate.
Die Spannen unten sind unsere Beobachtung aus Angeboten, Gehaltsgesprächen und Konten, die uns vorgelegt wurden, Stand Oktober 2026. Sie sind keine Marktstudie und keine Preisliste, und sie verschieben sich mit Seniorität, Kanalmix und Region.
| Kriterium | Agentur | Freelancer | Inhouse |
|---|---|---|---|
| Typische Kosten pro Monat | 1.500 bis 8.000 Euro Honorar, alternativ 10 bis 15 Prozent vom Mediabudget, bei kleinen Budgets bis 20 Prozent | 800 bis 3.500 Euro, Stundensätze meist 60 bis 150 Euro | 5.000 bis 8.000 Euro Vollkosten je Person, plus 300 bis 1.500 Euro Tools |
| Einarbeitungszeit | je nach Zugängen und Datenlage unterschiedlich, in unseren Projekten meist wenige Wochen | meist ein bis zwei Wochen | drei bis sechs Monate inklusive Suche und Kündigungsfrist |
| Bandbreite an Kanälen | breit, mehrere Spezialrollen in einem Vertrag | schmal, ein bis zwei Kanäle wirklich tief | bei einer Person realistisch ein Kanal plus Grundlagen |
| Ausfallrisiko bei Krankheit, Urlaub, Kündigung | in der Regel niedriger; ob eine Vertretung zugesagt ist, steht im Vertrag | hoch, keine Vertretung | mittel bis hoch, Wissen auf einem Kopf |
| Wissensaufbau im Unternehmen | gering bis mittel, je nach Austausch | gering, geht mit der Person | hoch, solange die Person bleibt |
| Skalierbarkeit nach oben | hoch, mehr Budget und Kanäle ohne Recruiting | niedrig, begrenzt durch Stunden | mittel, jede Erweiterung ist eine neue Stelle |
| Flexibilität beim Beenden | mittel, Laufzeit und Frist werden vertraglich vereinbart, je Anbieter sehr unterschiedlich | hoch, oft monatlich kündbar | niedrig, abhängig von Vertrag, Beschäftigungsdauer und Probezeit |
| Blick von außen | hoch, viele Konten als Maßstab | mittel, je nach Mandatszahl | niedrig, nur der eigene Account |
| Nähe zu Produkt, Marge und Lager | niedrig bis mittel, muss hergestellt werden | niedrig | hoch, sitzt neben Einkauf und Logistik |
Stand: Oktober 2026. Laufzeiten und Fristen sind Verhandlungssache und sagen nichts über unsere eigenen Konditionen aus, die stehen im Angebot.
Eine Agentur kaufst du nicht wegen der Arbeitsstunden ein, sondern wegen Breite und Vergleich: mehrere Spezialrollen in einem Vertrag und Leute, die viele Konten als Maßstab haben. Eine Vertretung bei Ausfall kommt dazu, sofern vertraglich geregelt.
Brands geben die Verantwortung mit ab. Der Vertrag ist unterschrieben, also gilt das Thema intern als erledigt. Danach kommen Reports, niemand fragt nach, und ein halbes Jahr später passen Dashboard und Buchhaltung nicht zusammen.
Eine Agentur kann nur optimieren, was sie sieht. Wer Einkaufspreise, Versandkosten und Retourenquoten nicht teilt, bekommt Optimierung auf ROAS, weil das die einzige Zahl im Werbekonto ist. Lass dir bei der Auswahl zeigen, wie entschieden wird: Frag, welche Kampagne zuletzt abgeschaltet wurde und auf welcher Zahl das beruhte.
Ein Freelancer ist oft die preiswerteste Möglichkeit, erfahrene Hände einzukaufen, und die mit dem höchsten Einzelrisiko: Seniorität ohne Überbau, aber ohne Vertretung.
Viele Brands kaufen Stunden und erwarten Verantwortung. Ein Retainer über zehn Stunden im Monat deckt Kontopflege ab, nicht Strategie, nicht Creative, nicht die Reparatur eines kaputten Trackings. Schreib deshalb vorher auf, was enthalten ist, mit welcher Zahl die Arbeit bewertet wird und was bei Ausfall passiert. Verlange ein kurzes Testprotokoll als Teil der Leistung, denn das Wissen liegt auf einem Kopf und geht mit.
Inhouse ist meist teuer im Aufbau und kann im Betrieb günstiger werden, sobald das Budget groß genug ist. Du baust Wissen auf, das bleibt.
Viele stellen eine Person ein und erwarten ein Team: Die Ausschreibung sucht jemanden für Meta, Google, TikTok, Creative, E-Mail und Reporting. Dieses Profil kostet mehr als die ausgeschriebene Spanne und bleibt selten lange, weil es strukturell überlastet ist.
Die Faustregel: Honorar plus Tools sollten dauerhaft unter etwa 20 Prozent deines Mediabudgets bleiben. 20 Prozent ist die Obergrenze für kleine Budgets, nicht der Normalfall, üblich sind 10 bis 15 Prozent.
Hier trägt keine Fremdsteuerung ihre Kosten. Ein Honorar von 2.000 Euro sind bei 3.000 Euro Mediabudget 67 Prozent des Budgets, von 5.000 Euro Gesamtausgaben gehen damit 40 Prozent in die Steuerung statt in Reichweite. Realistisch steuerst du selbst, eventuell mit vier bis acht Freelancer-Stunden.
Ein Freelancer für den Hauptkanal plus externe Creative-Produktion. Bei 5.000 Euro Mediabudget kostet ein Agenturhonorar von 2.000 Euro 40 Prozent des Budgets, von 7.000 Euro Gesamtausgaben gehen damit 29 Prozent in die Steuerung. Eine Agentur lohnt sich hier vor allem, wenn Tracking und Kontoaufbau erst entstehen müssen. Wir selbst arbeiten erst ab 5.000 Euro monatlichem Werbebudget, weil die Rechnung darunter für dich nicht aufgeht.
In dieser Spanne ist eine Agentur in den Fällen, die wir sehen, meistens die praktikabelste Konstruktion, belastbare Marktzahlen dazu gibt es nicht. Bei 30.000 Euro Mediabudget und 10 Prozent Honorar zahlst du 3.000 Euro im Monat und bekommst Media Buying, Creative und Tracking. Eine einzige Inhouse-Stelle kostet mit Vollkosten und Tools etwa 5.300 bis 9.500 Euro und deckt diese drei Felder nicht ab.
Für eine Person gerechnet: Ein Honorar von 10 Prozent übersteigt die Vollkosten einer Stelle ab etwa 53.000 bis 95.000 Euro Mediabudget im Monat. Das ist nur die halbe Rechnung, weil eine Person Meta, Google, Creative und Tracking nicht gleichzeitig abdeckt.
Für einen Mehrkanal-Mix brauchst du drei Rollen: Media Buying, Creative-Produktion, Daten und Tracking. Das sind 15.000 bis 24.000 Euro Vollkosten plus Tools, der Umschlagpunkt verschiebt sich damit auf etwa 150.000 bis 240.000 Euro Mediabudget. Darunter ist Inhouse eine Entscheidung für Kontrolle, nicht für Kostenersparnis, und du trägst Ausfall- und Recruiting-Risiko selbst.
Alles oben ist Kostenrechnung. Die Frage, die zählt, ist eine andere: Erzeugt die Steuerung mehr zusätzlichen Deckungsbeitrag, als sie kostet?
Prüfen kannst du das nur rückwärts und nur näherungsweise. Stell den Deckungsbeitrag der drei Monate vor der Beauftragung gegen den Schnitt der Monate vier bis sechs danach, bei vergleichbarem Mediabudget. Beispiel: vorher 12.000 Euro, danach 16.200 Euro, Honorar 3.000 Euro, bleiben 1.200 Euro. Saubere Zusätzlichkeit zeigen nur Geo- oder Holdout-Tests, in denen eine Region bewusst ohne Werbung bleibt. Alles andere zählt Saisonalität und Produktwechsel mit.
Die Entweder-oder-Frage ist meistens schon die falsche Frage. Drei Kombinationen sehen wir regelmäßig.
Das Modell, das wir am häufigsten stabil laufen sehen. Kontopflege ist lernbar und wiederholt sich, Creative-Volumen braucht Menschen, die laufend filmen, schneiden und schreiben. Ein Team, das beides leisten soll, liefert beim Creative zu wenig, weil die Kontoarbeit jeden Tag dringend ist und Creative nur wichtig. Warum das Creative der größte Hebel bleibt, steht im Beitrag zu Meta Ads für DTC-Brands.
Sinnvoll, wenn ein Kanal neu dazukommt. Die Agentur baut Struktur, Tracking, Namenskonventionen und die erste Testreihe auf, danach übernimmt intern jemand den Betrieb. Dafür braucht es zwei Bedingungen: Die Übergabe steht von Anfang an im Auftrag, und es gibt ein schriftliches Testprotokoll. Ohne das wird der Aufbau zum Dauerzustand.
Eine interne Person verantwortet Zielgröße, Budgetverteilung und Messung, pro Kanal arbeitet ein Freelancer. Günstig und flexibel, steht und fällt aber mit dieser Person: Fällt sie aus, optimieren drei Kanäle gegeneinander.
Was in keinem Hybridmodell funktioniert: zwei Parteien auf demselben Kanal mit demselben Budget. Dann wird nicht optimiert, dann wird verhandelt. Und wenn Freelancer dauerhaft eingebunden sind, feste Stundenkontingente haben und intern gesteuert werden, klär das Thema Scheinselbstständigkeit mit Steuerberatung oder Anwalt. Das können wir nicht beurteilen.
Die folgenden Punkte sind Erfahrungswerte aus der Praxis und keine Rechtsberatung. Lass Verträge, Kündigungsfristen und Eigentumsfragen vor der Unterschrift anwaltlich prüfen. Der teure Teil eines Wechsels ist nie das Honorar, sondern das Wissen, das verschwindet. Diese Punkte klärst du vor der Kündigung, nicht danach.
In den Konten, die ich im Audit sehe, sind es meistens dieselben drei Lücken. Keine davon hängt daran, wer das Konto bedient hat.
Wenn nur das Browser-Pixel misst, gehen je nach Browser und Consent Conversions verloren. Wie viele, hängt vom Setup ab, das zeigt erst ein Abgleich zwischen Werbekonto, Shop und Analytics. Dazu gehören eine durchgehende UTM-Konvention, Deduplizierung zwischen Browser und Server und eine Quelle, die im Streitfall gilt. Zeigen alle drei Systeme verschiedene Umsätze, ist jede Diskussion über Kanalbudgets Zeitverschwendung. Mehr dazu im Beitrag zur Conversion-Optimierung.
Viele Brands messen ROAS, CPA, Klickrate, Hook Rate, Frequenz und Add-to-Cart-Rate gleichzeitig und haben trotzdem keine Zahl, an der eine Entscheidung hängt. Entscheide dich für eine führende Größe, meist Deckungsbeitrag pro Bestellung oder das Verhältnis von Gesamtumsatz zu Werbeausgaben, und leite den Zielwert aus deiner Marge ab: Der Break-even-ROAS ist 1 geteilt durch deine Deckungsbeitragsmarge.
| Deckungsbeitragsmarge | Break-even-ROAS |
|---|---|
| 30 Prozent | 3,3 |
| 40 Prozent | 2,5 |
| 50 Prozent | 2,0 |
| 60 Prozent | 1,7 |
Bei 40 Prozent Deckungsbeitragsmarge deckt ein ROAS von 2,5 genau die Werbekosten. Dein Zielwert liegt darüber, und zwar so weit, wie du Marge behalten willst. Alle anderen Zahlen sind Diagnose, nicht Ziel.
Eine Person im Unternehmen muss diese Zahl verantworten, und zwar jemand, der die Werbeausgaben ebenso kennt wie Einkaufspreise, Versand, Retouren und Rabatte. Diese Rolle kannst du nicht auslagern. Eine Agentur verantwortet ihre Arbeit, ein Freelancer seine Stunden, ein Team seinen Kanal. Die Zahl am Ende kann nur jemand verantworten, der alle Teile sieht.
Stehen diese drei Dinge, hat jede der drei Optionen eine realistische Chance. Fehlen sie, wird es mit jeder schwierig.
Sechs Fragen, schriftlich beantwortet, verteilt auf sechs Tage.
Bleibt Tag 2 oder Tag 4 offen, ist die Wahl zwischen den drei Optionen nicht dein erstes Problem. Liegst du über 5.000 Euro Mediabudget und bleibt Tag 3 offen, ist Creative dein Engpass und nicht die Kontopflege. Wie wir an Kanäle, Messung und Creative herangehen, steht in Performance Marketing aus Berlin, shopspezifisch im Beitrag zur Shopify-Umsetzung.
Das Budget entscheidet die Grundrichtung. Kanalbreite und Creative-Bedarf entscheiden das Modell. Und die Qualität der Messung entscheidet, ob überhaupt etwas davon funktioniert. Die beste Entscheidung ist selten die reinste, sondern die, die deinen Engpass auflöst, häufig ein Hybrid.
Wenn du nicht sicher bist, wo dein Engpass liegt, hilft ein Blick von außen in die Konten, bevor du über Verträge nachdenkst. Das kostet dich 30 Minuten: ein Call, danach dein Audit innerhalb von 24 Stunden (werktags), kostenlos und unverbindlich. Die Rahmenbedingungen stehen auf der Seite zum kostenlosen Ads-Audit, Rückfragen gehen über Kontakt.
Wenn du vor dieser Entscheidung stehst, lohnt sich zuerst ein Blick in deine Konten: 30 Minuten Call, danach dein Audit innerhalb von 24 Stunden (werktags), kostenlos und unverbindlich. Was dabei herauskommt, kannst du genauso gut als Briefing für einen Freelancer oder dein eigenes Team nutzen.
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